Scheidungstips

Scheidungstricks gibt es viele. Nicht alle sind aber legal. Um sich unter Ausnutzung von Gesetz und Rechtsprechung - also legal - Vorteile gegenüber dem anderen Ehegatten zu verschaffen, sollte man folgendes beachten:

TIP 1: Information ist alles

Noch vor der Trennung sollten Sie sich sämtliche Informationen über das Vermögen, das Einkommen und die Versicherungen Ihres Ehepartners verschaffen und durch Kopien der entsprechenden Unterlagen sichern, denn nur dann kann ein Anwalt schnell und verläßlich feststellen, welche Ansprüche Ihnen gegen Ihren Ehepartner zustehen.
Die wichtigsten Unterlagen dazu sind:
Lohn- und Gehaltsabrechnungen [wenigstens von Dezember des vergangenen Jahres], Einkommenssteuererklärungen, Einkommensteuerbescheide,
bei Selbständigen die Gewinn- und Verlustrechnungen der letzten 3 bis 5 Jahre,
Versicherungspolicen für Lebens-, Renten- und/oder Berufsunfähigkeitsversicherungen, Kontoauszüge, Unterlagen über Kapitalvermögen, notarielle Urkunden über Grundstücksan - und verkäufe, Darlehensverträge,
Finanzierungs- und Kaufverträge für Pkw, Grundbuchauszüge, Geburtsurkunden der Kinder, Heiratsurkunde, Bausparverträge, Krankenversicherung, Mietverträge etc..
 

TIP 2: Informationen sichern

Sichern Sie eigene Daten oder Zugänge zum Internetbanking, zum Beispiel durch Paßwortänderungen.
Unterlagen über Ihre eigene Vermögens- und Einkommenssituation sowie die gesicherten Unterlagen vom Ehepartner sollten Sie möglichst außer Haus aufbewahren, zum Beispiel bei Verwandten, Freunden oder Bekannten Ihres Vertrauens.
 

TIP 3: Hausrat fotografieren

Gegen die eigenmächtige Aufteilung oder gar das Beiseiteschaffen des Hausrates durch den Ehegatten steht Ihnen grundsätzlich der Anspruch auf Rückschaffung und Gebrauchsüberlassung von Hausratsgegenständen zu.
Um vor Gericht gerüstet zu sein, fertigen Sie Inventarlisten vom Hausrat an und fotografieren Sie den kompletten Hausrat. Machen Sie Fotos von einzelnen Hausratsgegenständen, der Einrichtung unter Beilegung einer aktuellen Zeitung mit Datum.
 

TIP 4: Scheidung mit nur "einem" Anwalt ?

Der Gesetzgeber schreibt tatsächlich nur vor, daß der Scheidungsantrag von einem der Ehegatten unter anwaltlicher Vertretung erfolgen muß. Der andere Ehegatte braucht sich anwaltlich nicht vertreten zu lassen. Der Rückschluß, daß man deswegen zur Klärung aller wichtigen Scheidungsfolgesachen, insbesondere zur Vermögensauseinandersetzung nur einen Anwalt beauftragen muß, ist ein gefährlicher Irrtum.
Der Anwalt berät immer nur einen Ehepartner. Er vertritt dessen Interessen und kann daher notwendigerweise nicht die rechtlichen Interessen des anderen vertreten.
Folgen Sie daher niemals der Einladung Ihres Ehegatten, mit ihm zu einem gemeinsamen Termin zu seinem Anwalt zu gehen.
 

TIP 5: Nie zum Notar ohne Anwalt

Für bestimmte Verträge, zum Beispiel über den nachehelichen Unterhalt, den Zugewinnausgleich, den Versorgungsausgleich und die Übertragung von Immobilien hat der Gesetzgeber die notarielle Form vorgeschrieben. Ohne die Beurkundung vor dem Notar ist ein solcher Vertrag unwirksam.
Der Notar beurkundet solche Verträge jedoch als neutraler, unparteiischer Träger eines öffentlichen Amtes. Er wird Ihnen daher nicht sagen, ob Vertagsentwürfe vollständig oder andere vertragliche Regelungen besser für Sie sind. Der Notar berät also nie so wie Ihr Anwalt, der nur und ausschließlich Ihre Interessen berücksichtigt und von daher jede Vereinbarung überprüft, auf rechtlichen Bestand achtet sowie auch zukünftige Entwicklungen zu Ihren Gunsten mitberücksichtigt.
Unterzeichnen Sie daher keine Vereinbarungen, die Ihnen von Ihrem Ehepartner vorgelegt werden, auch nicht vor einem Notar, wenn Sie sich nicht vorher mit Ihrem Anwalt beraten haben.
 

TIP 6: Fachanwalt für Familienrecht

Lassen Sie sich von einem Fachanwalt für Familienrecht beraten. Er ist Experte auf diesem Gebiet.
Die Rechtsfragen, die im Familienrecht auftauchen, sind meistens sehr komplex und kompliziert, da sie mit anderen Rechtsgebieten verflochten sind. Der Fachanwalt für Familienrecht ist für diese spezielle Situation besonders ausgebildet und muß sich jährlich regelmäßigen Fortbildungsveranstaltungen unterziehen und diese gegenüber der Rechtsanwaltskammer nachweisen. Damit sind seine Kenntnisse über die Rechtsprechung und Gesetzesänderungen immer auf dem neuesten Stand.
 

TIP 7: Simsen ohne Reue

Sollte Sie das Verhalten Ihres Ehegatten einmal besonders ärgern, schreiben Sie trotzdem niemals E-Mails (Whats-Apps, SMSen etc.) mit beleidigenden oder bedrohenden Inhalten. Auch in Social-Media-Plattformen sollten Sie diesbezüglich Zurückhaltung üben. Denn Sie liefern damit selbst die Beweise für eine eventuell von Ihnen begangene Straftat (Beleidigung, Üble Nachrede, Verleumdung, Bedrohung, Nötigung). Außerdem riskieren Sie, mit einer zivilrechtlichen Unterlassungsklage vom Ehepartner überzogen zu werden.
 

TIP 8: Beratungshilfe

Sie verfügen nur über ein geringes Einkommen und kein Vermögen. Dann können Sie für das anwaltliche Erstgespräch bei Ihrem Amtsgericht einen Beratungshilfeschein beantragen. Dabei zahlen Sie nur 15,00 € als Beratungshilfeanteil.
 

TIP 9: Schutz vor Kontoplünderung

Bei einer Trennung kommt es nicht selten vor, daß ein Ehegatte sämtliche Bankkonten "abräumt". Zwar hat der geschädigte Ehegatte dann meistens einen Erstattungs- oder Schadensersatzanspruch gegen den anderen Ehegatten. Wenn das Geld aber erst einmal weg ist, kann es sehr schwer bis unmöglich sein, es wiederzubekommen.
Sichern Sie daher Ihr Konto!
Sie haben bereits ein eigenes Konto (Einzelgirokonto/Sparkonto) und Ihr Ehegatte ist (nur) verfügungsberechtigt, dann heben Sie die Verfügungsberechtigung des Ehegatten durch eine entsprechende Erklärung gegenüber der Bank einfach auf und lassen gegebenenfalls die Scheckkarte einziehen.
Bei einem Gemeinschaftskonto (sogenanntes Oder-Konto, bei dem beide Eheleute Kontoinhaber sind und getrennt von einander verfügen dürfen) sollten Sie bereits in der Krise ein eigenes Konto einrichten, auf welches der andere Ehegatte keine Verfügungsberechtigung hat, und darauf Ihre eigenen Löhne, Bezüge, Renten etc. fließen lassen.
Ist die Errichtung eines Einzelkontos aus irgendwelchen Gründen nicht möglich, so entziehen Sie dem Ehepartner die Einzelverfügungsberechtigung durch eine entsprechende Erklärung gegenüber der Bank. Dann ändert sich das Oder-Konto in ein sogenanntes Und-Konto.
Beim Und-Konto können belastende Kontoverfügungen nur mit Zustimmung beider Ehegatten durchgeführt werden. Dies ist zwar dann in der Praxis schwerfällig zu handhaben, aber ein einseitiges, mißbräuchliches Abräumen des Kontos ist dadurch nicht mehr möglich.
 

TIP 10: Konten selbst leerräumen?

An einem Gemeinschaftskonto ist jeder Ehegatte berechtigt, die Hälfte des Guthabenbetrages abzuheben und für sich zu verwenden, unabhängig davon, aus welchen Quellen das Konto gespeist wird.
Hebt ein Ehegatte mehr als die Hälfte des Guthabenbetrages ab, macht er sich dem anderen Ehegatten gegenüber nicht nur erstattungs- und schadensersatzpflichtig. Es käme auch eine Strafbarkeit wegen Treuebruch und Untreue gemäß § 266 StGB in Betracht.
Eine solche Vorgehensweise ist daher nicht empfehlenswert.
Ist der Ehegatte Inhaber eines Einzelkontos und der andere ist (nur) verfügungsberechtigt, so ist das Abheben des hälftigen Guthabenbetrages nur dann anzuraten, wenn eine Bruchteilsgemeinschaft beider Eheleute an diesem Konto besteht.
Um das aber beurteilen zu können, sollten Sie zuerst unbedingt einen Anwalt aufsuchen !
 

Und zum Schluß:

Gehen Sie rechtzeitig zu dem Anwalt Ihrer Wahl und warten Sie nicht, bis Ihr Ehepartner den ersten Schritt macht, da dieser Anwalt dann nicht mehr für Sie tätig werden kann.
Streben Sie möglichst eine einvernehmliche und umfassende Trennungs- und Scheidungsfolgevereinbarung mit Ihrem Ehepartner an.
Und denken Sie daran: Die teuerste Scheidung ist immer noch die ohne Anwalt !